GMH: Simulationsabteilung optimiert Produktionsprozess

Software- und modellbasierte Simulation leisten bei der Georgsmarienhütte einen wertvollen Beitrag. Dem Unternehmen ist es damit gelungen, den Produktionsprozess zu optimieren und folglich weniger CO2 auszustoßen – ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Dekarbonisierung.

Die GMH Gruppe hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2039 vollständig dekarbonisiert zu sein. Dass das Unternehmen dafür eine eigene Simulationsabteilung aufgebaut hat, trägt nun erste Früchte. Durch Simulation konnte GMH seine Prozesse effizienter machen und damit sowohl CO2-Emissionen reduzieren als auch die Verbräuche von Primär- und Sekundärenergie wie etwa Strom und Kohle senken.

Die Dissertation eines Metallurgie-Experten gab den Anstoß, neue Schemata der Kohlezufuhr für Produktionsprozesse im Elektrolichtbogenofen zu erproben. Dafür werteten die Experten des Simulationsteams in enger Abstimmung mit der Fertigung Daten historischer Produktionschargen mittels Machine-Learning-Verfahren aus – und generierten so wertvolle Prognosen für optimierte Möglichkeiten bei Produktionsabläufen. So konnten neue Schemata definiert und in nurmehr wenigen Betriebsversuchen bestätigt werden.

GMH: „Digitale Transformation spielt entscheidende Rolle“

Die validierten Ergebnisse setzten so den Standard für eine energieeffizientere und damit umweltfreundlichere Stahlproduktion bei GMH. Die neuen Prozesse, so das Unternehmen, ermöglichten nun „signifikante Einsparungen in der Stahlproduktion“. Je Tonne Flüssigstahl würden nun zehn Kilowattstunden weniger Schmelzstrom verbraucht und rund fünf Kilogramm weniger Kohle. Allein diese Optimierungen verringern GMH zufolge die CO2-Emissionen um 14,7 Kilogramm pro Tonne produzierten Flüssigstahls.

„Mit solchen Projekten stellen wir die Weichen für die Zukunft, um GMH schon heute so zu positionieren, dass wir auch in 20 Jahren noch konkurrenzfähig sind. Dabei spielt die digitale Transformation eine zentrale Rolle. Das haben wir als eines der ersten mittelständischen Stahlwerke erkannt und werden diesen Weg auch sukzessive weitergehen“, sagt Dr. Alexander Becker, CEO der GMH Gruppe.

Folgeprojekt: GMH nimmt biogene Kohle in den Fokus

Die Erfahrungen aus dem Projekt will GMH auch für den Umstieg auf biogene Kohle nutzen. Im laufenden Jahr beabischtigt das Unternehmen, die Produktion CO2-reduzierten Stahls „Green Power Premium“ auf 60.000 Tonnen zu erhöhen. Der Einsatz von biogener Kohle spiele dabei eine entscheidende Rolle, heißt es. In Kombination mit dem Einsatz erneuerbarer Energien für den Betrieb der Elektrolichtbogen­öfen wolle man die CO2-Emissionen auf nur noch 0,05 Tonnen CO2 pro erzeugter Tonne Stahl reduzieren – im Vergleich zu etwa zwei Tonnen bei der herkömmlichen Hochofenroute.

Den größten Hebel für Einsparungen bieten energieintensive Prozesse, etwa das Gießen in all seinen unterschiedlichen Ausprägungen, sowie das Walzen und Schmieden. Die große Herausforderung: Eine wirklich zielführende Simulation muss sehr exakt sein, damit nurmehr wenige praktische Versuchsabläufe während des Regelbetriebs der Anlagen für das gewünschte Ergebnis benötigt werden.

Weitere Meldungen aus der GMH Gruppe finden Sie in unserem Beitragsarchiv.

Foto: D. Alimkin/Shutterstock.com

Beitrag teilen

WhatsApp
Email
Facebook
Twitter
LinkedIn
XING

Das könnte Sie auch interessieren

Primetals Technologies wird das Grobblechwalzwerk von Jindal Steel and Power in Angul modernisieren und so die Verfügbarkeit der Anlage erhöhen.

Jindal Steel and Power modernisiert Grobblech-Walzwerk

Jindal Steel and Power modernisiert sein 5-Meter-Grobblech-Walzwerk in Angul mit Primetals Technologies. Die neue Automatisierungsplattform ist die erste ihrer Art in einem indischen Walzwerk dieser Größe. Sie soll vor allem auf zwei Aspekte einwirken.
Lianxin bestellt Kocks RSB 370++/4 für neue SBQ-Linie

Lianxin bestellt Kocks RSB 370++/4 für neue SBQ-Linie

Lianxin Iron & Steel investiert in einen Kocks Reduzier- und Sizingblock RSB 370++/4. Die Anlage erweitert das Werk Yancheng um eine SBQ-Linie für hochwertige Stabstahlprodukte und soll ab dem dritten Quartal 2026 mit hoher Präzision und Flexibilität produzieren.
Winderhitzer mit interner Brennkammer – installiert von Primetals Technologies in Indien.

Neuer Winderhitzer für SAIL-Stahlwerk Rourkela beauftragt

SAIL bestellt erneut einen Winderhitzer bei Primetals Technologies – diesmal für das Werk Rourkela. Die Anlage mit verbesserter Brennkammerkonstruktion sichert Wartungsflexibilität und unterstützt eine stabile Produktion während laufender Reparaturen.
Die neue Stranggießanlage von Primetals Technologies bei Wuyang Iron and Steel ist für die Herstellung von Ultra-Dickbrammen mit bis zu 460 Millimeter Breite konzipiert.

Neue Anlage für Ultra-Dickbrammen bei HBIS Wuyang gestartet

HBIS Wuyang hat mit Primetals Technologies die erste Bramme auf einer neuen Anlage für Ultra-Dickbrammen gegossen. Die Gießanlage in Wugang ist auf Brammendicken bis 460 mm ausgelegt und bedient anspruchsvolle Anwendungen in High-End-Industrien.
Weg zu mehr Eigenfertigung: Erfolgreiche Inbetriebnahme der vollintegrierten und automatisierten Schmiedelinie bei Perryman, USA, durch SMS group

Weg zu mehr Eigenfertigung

SMS group hat die Inbetriebnahme einer vollintegrierten und automatisierten Schmiedeanlage am Standort der Perryman Company in Pennsylvania, USA, erfolgreich abgeschlossen. Im Rahmen des Projekts hat SMS zwei neue Schmiedemaschinen komplett geliefert.
Strategisch geschickt positioniert: Primetals Technologies eröffnet hochmoderne Werkstatt für Service-Technologien in Brasilien

Strategisch geschickt positioniert

Primetals Technologies eröffnete kürzlich eine hochmoderne Werkstatt rund um Instandhaltungs- und Modernisierungsservices in Santa Cruz, Rio de Janeiro, Brasilien. Die 7 968 Quadratmeter große Anlage liegt strategisch günstig in der Nähe mehrerer großer Stahlproduzenten.
Anzeige
MPT

Newsletter

Jetzt Fachabo starten

Erhalten Sie exklusiven Zugriff auf alle Fachartikel, Whitepaper und Analysen.

Kontakt in die Redaktionen

Abo- und Bücherservice

Newsletter