ArcelorMittal: klimafreundliche olympische Symbole für Paris

Das Bild vereinte ikonische Symbole: Olympische Ringe am Eiffelturm Paris. Hersteller der Ringe ist ArcelorMittal.

Für Sportler auf der ganzen Welt sind die Olympischen Spiele das größte vorstellbare Ereignis, für manche sogar mehrfach. Ein überraschender Akteur bei den Spielen in Paris 2024 ist nun ArcelorMittal. Auch der Stahlhersteller hat mittlerweile eine olympische Historie – und musste sich für diese Auflage doch etwas ganz Neues einfallen lassen.

Die Beziehung des Unternehmens zu den berühmtesten Sportereignissen der Welt begann 2010, als die Bestätigung als Sponsor der Olympischen und Paralympischen Spiele 2012 in London erfolgte. Für diese Auflage wollte das Unternehmen eine Duftmarke setzen, die wenig mit typischem Sponsoring zu tun hat. Entsprechend entstand mit dem ArcelorMittal Orbit ein transformatives Kunstwerk, das als ikonisches Symbol für London 2012 und als Wahrzeichen über die Spiele hinaus Bestand hat. Die 114 Meter hohe Stahlskulptur, die von dem Künstler Sir Anish Kapoor und dem Designer und Ingenieur Cecil Balmond entworfen wurde und als Herzstück auf dem Gelände in Stratford stand, sollte auch die Vielseitigkeit, Funktionalität und Schönheit von Stahl als Baumaterial demonstrieren. Mit über 100 000 Besuchern während der Spiele 2012 und Millionen von Besuchern seither dürfte die Zielsetzung als erreicht gelten.

Denkmäler und Ikonen

Die Lehren und Erfahrungen aus diesem Projekt indes dürften nur bedingt für das neue Sponsoring zu den Olympischen Spielen 2024 in Paris getaugt haben. Schließlich herrschen in mehrfacher Hinsicht andere Rahmenbedingungen.

Laut ArcelorMittal haben die Olympischen und Paralympischen Spiele Paris 2024 den ehrgeizigen Anspruch, „verantwortungsvoller, nachhaltiger, geeinter und inklusiver“ als alle vorherigen Spiele zu sein. Um diesem Anspruch mit der im März 2023 bekannt gegebenen Partnerschaft gerecht zu werden, zielt der zweite olympische Einsatz darauf ab, nicht nur die Vielseitigkeit und Schönheit von Stahl unter Beweis zu stellen, sondern auch dessen Nachhaltigkeit. Das ist sowieso gerade der Megatrend in der Industrie, weshalb das Team um den Ingenieur Professor Pierre Engel als Projektleiter an dieser Stelle sprichwörtlich schon auf Betriebstemperatur war. Eine ganz andere Sache war es hingegen, Lösungen für die Platzierung der Symbole zu erarbeiten. Schließlich ist Stahl zwar bekanntlich ein sehr flexibler Werkstoff, aber eben kein leichter. Und wenn mit dem Eiffelturm und dem Triumphbogen zwei Denkmäler und Ikonen der französischen Hauptstadt als Anker dienen, braucht es Lösungen, welche die sensible Struktur nicht angreifen.

Symbole mit klimafreundlicher Umsetzung durch ArcelorMittal

Die überformatigen Olympischen Ringe, seitens des Internationalen Olympischen Komitees als „Spectacular“ bezeichnet, bringen es auf eine Breite von 29 Metern und eine Höhe von 15 Metern. Auf dem Eiffelturm ist der „Spectacular“ etwa 84 Meter über dem Boden zwischen dem ersten und dem zweiten Stockwerk des Eiffelturms angebracht. Herstellung wie auch Montage stellen dabei eine anspruchsvolle technische Leistung dar.

Der „Spectacular“ begann sein Leben als Stahlschrott. Dessen Schmelze fand in einem mit erneuerbarem Strom betriebenen Lichtbogenofen am französischen ArcelorMittal-Standort in Châteauneuf statt. Anschließend erfolgte das Vorwalzen im Werk in Le Creusot und dann das Weiterwalzen bei ArcelorMittal Dunkerque, einem der größten Stahlwerke Europas. Der recycelte und erneuerbar hergestellte XCarb-Stahl ging dann an eine Werkstatt in der Nähe von Épinal in den Vogesen. Dort erfolgten Zuschnitt, Biegen und Schweißen sowie Lackieren gemäß der olympischen Farbvorgaben.

Heimlicher Test und vergleichbares Vorgehen beim „Agitos“

Nach der Herstellung des „Spectacular“ musste das ArcelorMittal-Team dann heimlich das Verfahren testen, das schließlich zur Befestigung am Eiffelturm dienen sollte. Mitte Mai wurden die ineinander greifenden Ringe an einem geheimen Ort in Ostfrankreich mit einem Kran auf 15 Meter Höhe gehoben und das ausgeklügelte Beleuchtungssystem, das sie tagsüber in ihren fünf Farben und nachts in strahlendem Weiß erscheinen lässt, erfolgreich getestet. In den frühen Morgenstunden des 7. Juni wurde der „Spectacular“ auf den Eiffelturm gehoben und mit zehn hochfesten Seilen gesichert, die von ArcelorMittal in Bourg-en-Bresse hergestellt, gemessen und vorgespannt wurden.

 

 

Ähnlich lief es beim „Agitos“ ab, dem von Scholz & Friends entworfenen Logo für die Paralympischen Spiele. Während ArcelorMittal für die Olympischen Ringe noch Stahlklammern zur Befestigung anbringen konnte, schied diese Option für den Triumphbogen aus. Dessen Konstruktion gibt diese Möglichkeit nicht her, zudem durften keinesfalls Bohrlöcher entstehen. Stattdessen haben Pierre Engel und sein Team einen vergleichsweise leichtgewichtigen, aber dennoch stabilen Aufsatz entwickelt, der die drei Elemente ohne Beschädigung der Struktur hält.

Drittes Symbol besticht ebenfalls durch cleveres Vorgehen

Die IOC-Vorgabe, nachhaltige Spiele in Paris 2024 auszurichten, galt zudem auch für ein anderes weltbekanntes Symbol. Die olympische Fackel ist schließlich das verbindende Element zwischen den Spielen der Antike und der Moderne – und bietet überraschendes Potenzial für die Reduzierung des CO2-Fußabdrucks. Das heißt konkret: Bislang waren die Fackeln eher für den Einmalgebrauch ausgelegt. Zumindest lässt die hohe Zahl von 12.000 Fackeln darauf schließen, die es zuletzt gegeben haben soll. ArcelorMittal hat hingegen nur 2.000 Stück hergestellt, und die sind wiederbefüllbar. Der Entwurf stammt von Mathieu Lehanneur, ein zeitgenössischer Designer.

Das Projekt wurde vollständig in den vier französischen Stahlwerken in Châteauneuf, Florange, Le Creusot und Woippy durchgeführt sowie in einem Partnerwerk, das den Stahl stanzte und formte. Dabei wurde der Stahlschrott von Altautos und Waschmaschinen zu einer riesigen geschmolzenen Stahlbramme, zu einem 0,7 Millimeter dicken Stahlblech und schließlich zu Lehanneurs Entwurf verarbeitet. Diesen werden dann letzten Endes 10.000 Fackelträger getragen haben, bis die olympische Flamme nach einer Tour durch 400 Städte in Frankreich am 26. Juli 2024 bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Paris 2024 ankommt.

 

Weitere Meldungen zum Unternehmen finden Sie > hier.

Fotos: Geraldine Bruneel (3), Mark Mercer (1), Arne Langner (1), Torsten Paßmann (1)

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